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Veröffentlicht am: 03.05.16

Gestaltung eines Elternabends zum Thema Medienerziehung

Eltern wissen häufig selbst am besten, wie die familiäre und kindliche Alltags- und Medienwelt aussieht und wo es Unsicherheiten gibt. Statt guter Ratschläge sollten Veränderungsprozesse von Alltagsstrukturen bei den Eltern selbst das Mittel der Wahl sein.

Zitat

„Aktive Aneignung von Medienkompetenz dient der Entfaltung der Persönlichkeit und öffnet neue Informations- und Zugangswege in die Informationsgesellschaft. So können sich Kinder und Jugendliche mithilfe der konstruktiven Nutzung der Medien zu kompetenten und autonomen Persönlichkeiten entwickeln.“

Sensibilisierung

Eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffen

Im ersten Schritt erfolgt die Sensibilisierung der Eltern für die Thematik. Angesetzt an den lebensgeschichtlich geprägten Deutungsmustern und Erfahrungen der Eltern soll ein positiver und dennoch kritischer Zugang zu dem Thema „Medien und Kinder“ erreicht werden. Es liegt nahe, dass die Fachkraft zunächst eine vertrauensvolle Atmosphäre schafft, so dass die Eltern diskutieren und sich austauschen können über

  • Medienvielfalt und Medienauswahl.
  • familiäre (Medien-)Erziehungsgrundsätze.
  • Chancen und Gefahren der Mediennutzung.

In diesem Prozess erhalten alle Eltern die Möglichkeit, über reale Erlebnisse und Probleme zu berichten. Es ist die Aufgabe der Fachkraft, diesen Prozess anzustoßen, zu moderieren und zu begleiten.

Über den „Blick zurück“ und den „Blick ins Heute“ werden die Eltern angeregt, sich mit der eigenen Medienbiografie auseinander zu setzen und ihre persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse in Verbindung mit der heutigen alltäglichen Medienwelt zu reflektieren.

Blick zurück

Partnerinterviews als Einstieg

Die Eltern kommen mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen und Medienvorstellungen zu einem medienpädagogisch ausgerichteten Elternabend. Erwartet werden fachliche Ratschläge und Informationen oder Forschungsergebnisse. In der Sensibilisierungsphase geht es jedoch nicht um konkrete Handlungsanweisungen, sondern die Beteiligten sollen in vertrauensvoller Atmosphäre miteinander ins Gespräch kommen. Als Eingangsübung findet dafür das Partnerinterview Anwendung. Damit auch Eltern, die nicht miteinander vertraut sind, zwanglos ins Gespräch kommen können und um eine schnelle Paaraufteilung zu garantieren, kann beispielsweise zu Anfang eine Schüssel mit Süßigkeiten (oder Obst oder Memorykarten) dargereicht werden. In dieser Schüssel befinden sich dann immer zwei gleiche Süßigkeiten. Die Personen, die die gleiche Vorliebe für eine bestimmte Süßigkeit haben oder die kein Naschwerk nehmen, finden sich zum Partnerinterview zusammen und tauschen sich über die vom Fachpersonal vorab formulierten Fragen aus.

Reise in die eigene Kindheit

Für das Nachspüren der Medienbiografie bieten sich folgende Fragen im Partnerinterview an:

  • Welche Medien kannte ich als Kind?
  • Welche Sendungen habe ich besonders gern angeschaut?
  • Welches Buch oder Computerspiel habe ich geliebt?
  • Gab es einen besonderen Helden / besondere Heldin, den / die ich vergötterte?
  • Was habe ich online am liebsten gemacht?

Zusammentragen der Ergebnisse

Anschließend werden in der Gruppe die Erinnerungen zusammengetragen. Dazu ist es notwendig, dass die Kernaussagen gesammelt werden. Entweder werden die Eltern gebeten, diese auf Karten kurz zu notieren oder das Fachpersonal greift die Kernaussagen auf und verschriftlicht diese. Die Ergebnisse können zum Beispiel auf einem Wandpapier oder, falls vorhanden, auf einer Tafel beziehungsweise auf einem Flipchart protokolliert werden. Eine Präsentation auf einem großen Plakat, dass im Raum ausliegt, ist eine andere mögliche Variante.

Spielregeln im Umgang mit Medien

Im zweiten Schritt sollen die Eltern noch einmal zusammenkommen - diesmal jedoch in anderer Paarkonstellation oder sogar in Dreier- oder Vierergruppen. Themen sollen hierbei sein:

  • Gab es Spielregeln im Umgang mit Medien?
  • Wie bin ich mit diesen Spielregeln umgegangen: Habe ich sie befolgt oder habe ich sie ignoriert?

Auch diese Ergebnisse werden in der Gruppe zusammengetragen. Um den Zeitrahmen nicht zu sprengen, empfiehlt es sich, wenn sich eine Sprecherin oder einen Sprecher pro Gruppe findetzu finden, die oder der den Erfahrungsaustausch zusammenfasst. Gönnen Sie den Eltern anschließend eine Pause.

Blick ins Heute - welche Medien sind vorherrschend?

Anschließend beschäftigen sich die Eltern mit ihrer heutigen alltäglichen Medienwelt. Es gilt nachzufragen, welche Medien die Eltern heutzutage nutzen und wie sie ihre Kompetenz in Bezug auf die Bedienung dieser Medien für sich selber einschätzen. Diese Fragen können gut an das Plenum gerichtet werden. Als Ergebnis erhält man ein Repertoire an Medien, dass meist von Tablet und Smartphone, Fernsehen, DVD-Player, Computer, iPod und Video, Computer- oder Videospiele sowie Bücher, CDs und sogar noch Schallplatten umfasst. Wer mag, kann auch einen „Medienbaum“ gestalten. Dafür muss lediglich ein Baum vorgezeichnet und die Antworten den Ästen zugeordnet werden - so entsteht ein strukturiertes und anschauliches Bild.

Die Eltern diskutieren, welche Bedeutung die Medien für sie selbst und für ihre Kinder in der heutigen Zeit einnehmen. Die pädagogische Fachkraft moderiert die Runde und kann die hier vorgeschlagenen Fragen für Gesprächsimpulse einsetzen.

Kinder orientieren sich an der Mediennutzung ihrer Eltern

Reflexion der eigenen Mediennutzung

Es gibt eine Fülle von Medien, die Erwachsene täglich selbstverständlich nutzen und in der Regel nicht missen möchten - und mit denen Kinder im familiären Alltag aufwachsen. Um im nächsten Schritt zu reflektieren, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Medien umgehen, kann die Methode „Zettelfalten“ zum Zuge kommen. Einige Eltern kennen das Spiel eventuell aus ihren Kindheitstagen. Auf einem Zettel steht in diesem Fall jedoch eine Überschrift wie „Medien bedeuten für mich ...“. Jede Person schreibt eine Antwort, knickt diese nach hinten um und reicht den Zettel weiter. Somit bleibt die Überschrift immer erkennbar, die Antworten sind für die nachfolgenden Teilnehmendenr nicht einsehbar. Zum Schluss wird der Zettel auseinandergefaltet, die Gedankengänge werden laut vorgelesen und bieten somit Stoff für Diskussionen, Austausch und Reflexion. Die pädagogische Fachkraft kann bei Bedarf fragend nachhaken und moderiert die Runde.

Weitere Fragevarianten sind möglich

Folgende Überschriften bieten sich auch an beziehungsweise oder können parallel beantwortet werden:

  • Ich schaue fern, wenn ich ...
  • Wenn ich von der Arbeit komme, dann ...
  • Meinen Computer schalte ich an, wenn ...
  • Am liebsten spiele ich ...
  • Mein Smartphone benutze ich, um …
  • Das Tablet nutze ich, wenn …

Die Medienwelt der Kinder

Darauf aufbauend werden die eigenen Medienerfahrungen in Bezug zur Medienwelt der Kinder gesetzt. Fragen, die sich hier anbieten, sind:

  • Welche Medien kennt mein Kind?
  • Wie erfährt es von den Medien?
  • Mit welchen Medien beschäftigt sich mein Kind besonders gern?
  • Hat mein Kind einen Held / eine Heldin?

Bezugspunkte finden, Probleme erkennen

Allmählich leitet das Fachpersonal den Prozess des Erkennens und Verstehens ein. Folgende Fragen können als Gesprächsimpulse dienen

  • Welche Rückschlüsse können Eltern aus ihrem eigenen Medienverhalten auf das ihrer Kinder ziehen?
  • Was wissen Eltern von ihren Kindern und ihren Medienvorlieben?
  • Was suchen ihre Kinder in Medien beziehungsweise welche Bedürfnisse artikulieren sie dabei?
  • Welche Unterschiede und welche Gemeinsamkeiten gibt es aus der Kind- und Erwachsenenperspektive?
  • Welche Mediensituationen sorgen für Unsicherheiten?
  • Was genau stört am Medienverhalten des Kindes?
  • Welche Medien werden als „gute“ und welche als „schlechte“ für das Kind eingestuft und warum?

Sind die Eltern offen für Rollenspiele, so können mit dieser Methode derzeitige Unzufriedenheiten und Konfliktsituationen, Änderungswünsche oder auch bereits existierende und umgesetzte Lösungsstrategien aus dem medialen Alltag nachempfunden und diskutiert werden.

Nach der Sensibilisierungsphase kann gezielt die Vermittlung von medienpädagogischem Wissen erfolgen. Eine Themenauswahl für weitere Elternabende finden Sie hier.

Voneinander lernen

Der gegenseitige Austausch kann die Elternkompetenz in Bezug auf den individuellen Umgang mit den Medien und das Ausrichten auf familiäre Spielregeln stärken. Diese Phase des Elternabends erfordert eine hohe persönliche und fachliche Kompetenz seitens der pädagogischen Fachkraft, die gleichzeitig Erzieherin oder Lehrerin, Fachexperte oder -expertin, Prozessbegleiterin oder -begleiter, Moderator oder Moderatorin und bestenfalls auch Coach ist.

Medienpädagogisches Wissen vermitteln

Haben die Eltern Zugang zu dem Themenkomplex gefunden, sind sie in der Regel an weiteren medienpädagogischen Elternabenden interessiert. Nach der Sensibilisierungsphase kann gezielt die Vermittlung von medienpädagogischem Wissen erfolgen. Themen, die sich für die Konzeption selbstständiger Elternabende anbieten, sind beispielsweise

  • Geschlechtsrollenverhalten in den Medien
  • Gewalt in den Medien
  • Qualitätskriterien von Filmen, Lernprogrammen, Apps, Kinderbüchern ...
  • Der Computer als Familienmitglied?
  • Wie kann ich Tablet und Smartphone in der Familie sinnvoll verwenden?
  • Schutz der Kinder beim Surfen im Internet
  • Suchtgefahren durch Medien
  • Wie verarbeiten Kinder Medieninhalte?

Weitere Informationen

  • Tipps zur Durchführung von Elternabenden zum Schwerpunkt mobile Medien in der Familie finden Sie auch hier:

  • Die Handreichung zur Durchführung von Elternabenden: Internet + Handy von Klicksafe bietet Ihnen eine gute Anleitung.
  • Eine Zusammenstellung verschiedener Materialien und Checklisten zur Durchführung eines Elternabends findet sich auf der Website der Initiative Eltern und Medien.
  • Präsentationen, Broschüren, Medienbriefe, Leitfäden sowie einen Medienstundenplan zum Einsatz für die Elternarbeit gibt es bei Schau hin!

Dieser Artikel wurde im Rahmen von BIBER - Netzwerk frühkindliche Bildung, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, erstellt. Er wurde von der Autorin Daniela Sauermann verfasst und durch die Redaktion des Initiativbüros „Gutes Aufwachsen mit Medien“ an aktuelle Entwicklungen angepasst. Mehr Informationen zum Artikel finden Sie unter www.bibernetz.de.



*Quelle: Lauffer & Rölleke, Mediale Sozialisation und Bildung. Methoden und Konzepte medienpädagogischer Projekte. Dieter Baacke Preis - Handbuch 2. Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur in der Bundesrepublik Deutschland (GMK), 2007, S. 5


Quelle: BIBER - Netzwerk für frühkindliche Bildung
Logo: biber - Netzwerk frühkindliche Bildung

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