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Veröffentlicht am: 01.11.16

Erst entdecken, dann benutzen - digitale Mediennutzung und -wirkung bei Kleinkindern

„In der Krippe und im Kindergarten haben Medien nichts zu suchen!“, „Unsere 1 ½ Jahre alte Tochter spielt wahnsinnig gern auf dem Tablet.“ Auf den ersten Blick scheinen diese beiden Aussagen zwei entgegengesetzte Ansichten widerzuspiegeln. Dennoch können sie auch von den gleichen Eltern stammen. Dies zeigt die Untersuchung „Digitale Medien: Beratungs-, Handlungs- und Regulierungsbedarf aus Elternperspektive“, die das Deutsche Jugendinstitut (DJI) 2015 durchgeführt hat 1. Daraus geht hervor, dass zwei Prozent der Mütter von einjährigen Kindern diesen einen Zugang zum Internet ermöglichen, bei den Zweijährigen sind es schon neun Prozent und im Alter von sechs Jahren darf immerhin ein gutes Viertel (26 %) der Mädchen und Jungen das Internet nutzen.

Den Umgang mit digitalen Medien und dem Internet in der Kita lehnt jedoch der größte Teil der Mütter von Klein- und Vorschulkindern ab. Offensichtlich ist es für viele Familien okay, wenn ihre Kinder unter der Aufsicht der Eltern Erfahrungen mit den digitalen Medien machen, nicht aber, wenn sie von anderen Personen betreut werden.

Medien in der Kita?!

In den Kindertagesstätten und in der Kindertagespflege ist der Umgang mit Medien so vielfältig wie die Haltungen der Eltern. So gibt es Einrichtungen, die den Einsatz von digitalen Medien grundsätzlich ausschließen und das sinnliche Erfahren der gegenständlichen Welt und den Aufbau sozialer Beziehungen in den Vordergrund stellen. Hier findet sich die Argumentation, dass Kinder die Fülle der digitalen Informationen noch nicht verarbeiten können und diese zur Überforderung führen würde. Einige Kitas lassen Medien punktuell zu, wie zum Beispiel bei der gemeinsamen Nutzung von Hörbüchern oder zur Dokumentation des Kitaalltags bzw. einzelner Aktivitäten. Wiederum andere binden die Medien im Kitaalltag regelmäßig ein und stellen den gestalterischen Umgang mit Medien in den Vordergrund. Dabei wird argumentiert, dass die Kita Spiegelbild der Gesellschaft ist und somit der Austausch über Gefahren und Potenziale digitaler Medien und vor allem der richtige, pädagogische Umgang wichtig sind 2.

Frühkindliche Entwicklung und Verarbeitung von Medieneindrücken

Bisher gibt es keine Untersuchungen dazu, ob Kinder in diesem Alter tatsächlich schon in der Lage sind, die Funktionsweisen von (mobilen) Medien zu verstehen. Hinweise aus der Entwicklungspsychologie machen jedoch deutlich, dass Kinder bis zu einem Alter von zwei Jahren kognitiv noch nicht in der Lage sind, mobile Medien selbständig zielgerichtet zu nutzen 3.

In den ersten beiden Lebensjahren sind sie in erster Linie damit beschäftigt, ihre physische Umgebung zu erfahren. Medien sind dabei zunächst Reizquellen, sie leuchten, geben Töne von sich. In einem nächsten Schritt gewinnen sie als Gegenstände Bedeutung, die die Kinder mit Mund und Händen erkunden. Im zweiten Lebensjahr gelingt es ihnen, mithilfe der Eltern oder anderer Bezugspersonen Bilder und kleine Geschichten in Bezug zu ihrer eigenen Lebenswelt zu setzen. Wenn Kinder jedoch über den Touchscreen des Tablets oder des Smartphones wischen, dann ist dies noch kein zielgerichtetes Handeln. Sie wenden dabei lediglich schon gelernte Greifbewegungen an und probieren aus, was passiert.

Ab dem dritten Lebensjahr entwickeln sich die grob- und feinmotorischen Fähigkeiten zusehends, außerdem gelingt es den Kindern immer besser, Medieninhalte zu entschlüsseln. Wichtig sind dabei immer noch eine einfache Erzählstruktur sowie der Bezug zur eigenen Lebenswelt. Die Kinder zeigen jetzt ein zielgerichtetes Interesse an Medien, an Inhalten wie auch an Funktionen. Es macht ihnen zunehmend Freude, die Medien in kreativer und spielerischer Weise zu nutzen, beispielsweise um Fotos oder kleine Filme aufzunehmen.

Gegen Ende des Kindergartenalters wird Sprache zum wichtigsten Informationsträger und damit gewinnen auch die Medien als Wissensquelle, zur Orientierung und Unterhaltung Bedeutung. Das Internet ist als Speicher von Filmen, Spielen und Musik interessant, seine Struktur wird aber noch nicht verstanden. Im feinmotorischen Bereich sind die Fähigkeiten der Kinder nun so weit entwickelt, dass sie zielgerichtet tippen und wischen können. Da sie aber noch über keine Lese- und Schreibfähigkeiten verfügen, sind sie bei der Mediennutzung immer noch auf Unterstützung angewiesen.

Kindliche Lebenswelt gemeinsam begleiten

Viele Eltern ermöglichen ihren Kindern zuhause einen Zugang zu Medien. Viele möchten jedoch nicht, dass ihre Kinder auch in der Krippe oder im Kindergarten in Kontakt mit digitalen Medien kommen, hier sollen sie in der ‚realen‘ Welt spielen. Kinder können ihre Alltagserlebnisse und Erfahrungen mit Medien am Eingang zur Kita jedoch nicht ablegen. Für eine verantwortungsvolle Begleitung des kindlichen Medienkonsums ist es sinnvoll, dass Kita und Eltern gemeinsam die Rolle der Medien und den möglichen Umgang, nicht nur in der Kita, besprechen und im Austausch dazu bleiben. Die erzieherischen Fachkräfte können in punkto Mediennutzung und Medienkompetenz eine beratende Funktion für Eltern übernehmen, unabhängig davon, wie viel Raum Medien in der Kita oder zuhause einnehmen.

Weitere Informationen



[1] Grobbin, Alexander (2016). Digitale Medien: Beratungs-, Handlungs- und Regulierungsbedarf aus Elternperspektive. Abschlussbericht
Online verfügbar unter: http://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs2016/Digitale_Medien_Elternperspektive.pdf [Zugriff: 02.09.2016]

[2] Deutsche Liga für das Kind (2016), Aufwachsen in der Medienwelt - Kurzfilme zur Medienbildung in Kita und Kindertagespflege, DVD, Bestellbar für Fachkräfte beim Herausgeber

[3] Eggert, Susanne/Wagner, Ulrike (2016). Grundlagen zur Medienerziehung in der Familie. Expertise im Rahmen der Studie MoFam - Mobile Medien in der Familie. Online verfügbar unter: www.jff.de/studie_mofam


Dr. Susanne Eggert, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am JFF - Institut für Medien im Auftrag des Initiativbüros
Logo der Kampagne 'Gutes Aufwachsen mit Medien'

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