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Initiativ- und Servivebüro Gutes Aufwachsen mit Medien

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Veröffentlicht am: 19.04.18

Zeitgeist Mobilität: Warum wir Kinder und Jugendliche im Umgang mit dem Smartphone unterstützen müssen

Seit rund zehn Jahren gibt es nun das Smartphone. Mit seinen nützlichen Funktionen hat es den Alltag angenehmer gemacht. Es ist Wecker, Wegweiser, Kalender, Suchmaschine und vieles mehr. Das Smartphone hat auch unser Berufsleben verändert. Mit dem Gerät kann jeder überall und zu jeder Zeit handeln und erreichbar sein. Das ist sehr praktisch. Doch gibt es auch Herausforderungen: Für viele Menschen hat sich der Feierabend verschoben. Statt spätabends zur Ruhe zu kommen, beantworten sie auf dem Sofa ein paar Nachrichten. Ganz ähnlich ergeht es auch Kindern und Jugendlichen. Bereits ein Fünftel der Acht- bis Neunjährigen haben ein eigenes Smartphone, mit zehn bis elf Jahren sind schon 67 % im Besitz eines Gerätes. Weil sie eine sehr große Begeisterung für das Smartphone zeigen, sind sie ebenso überall und rund um die Uhr mit ihrem Gerät beschäftigt. Sogar bis spät in die Nacht, wenn etwa noch Nachrichten von Freunden eintrudeln. Das ist mitunter sehr anstrengend und insbesondere für junge Kinder eine Überforderung. Nur was genau machen sie eigentlich damit?

Wie und warum benutzen Kinder und Jugendliche das Smartphone?

Das Smartphone ist ein wichtiger Begleiter in der Pubertät. Kinder von heute beschäftigen genau die Fragen, die uns damals auch zu denken gegeben haben: Wer bin ich? Wer werde ich sein? Werde ich ein glückliches Leben führen? Das Smartphone kann in dieser Entwicklungsstufe sozialen Halt und Ablenkung bieten. Die Jugendlichen und Kinder bleiben über das Smartphone stets mit ihren Freunden fest verbunden, obwohl sie nicht persönlich anwesend sind. Dahinter steckt der tiefe Wunsch nach Beziehung. Wenn sie mit dem Nachrichtenprogramm WhatsApp einander schreiben oder Sprachnachrichten schicken, bildet das ein besonders stabiles soziales Netz. In sozialen Netzwerken, wie Instagram oder Facebook stellen Kinder und Jugendliche, sich selbst in Wort und Bild dar und kommen in Kontakt mit anderen. Ihnen begegnen vielfältig und unterschiedlich Menschen und Meinungen. Das macht auch Kinder und Jugendliche untereinander kameradschaftlicher.

Warum findet die Nutzung oft kein Ende?

Auf dem Smartphone ist immer etwas los. Irgendjemand hat frisch etwas gepostet, ein anderer schickt ständig Nachrichten. Bei YouTube laufen unentwegt Videos. Diesem Angebot können sich Kinder und Jugendliche nur schwer entziehen. Wenn sie aber beim kleinsten Anzeichen von Langeweile gleich das Handy zücken, verlernen sie etwas sehr Lebenswichtiges: sich auch mal selbst auszuhalten. Häufig nutzen Kinder in Momenten der Langeweile Spiele-Apps auf ihrem Smartphone. Sobald sie ein eigenes Gerät besitzen, entscheiden sie alleine, was, wann und wie lange sie spielen. An sich ist Spielen etwas Wunderbares und ein sehr wichtiger Bestandteil der Kindheit. Kinder tauchen in Fantasiewelten ab und erleben sich in verschiedenen Rollen. Außerdem wollen sie die Herausforderung des Spiels meistern und gewinnen. Viele Apps besitzen aber gar kein richtiges Spielende. Andere senden ungefragt Nachrichten auf das Smartphone, um wieder zurück ins Spiel zu locken. Auch bei angeblich kostenlosen Apps kann aus Unerfahrenheit im Spielverlauf viel Geld ausgegeben werden - beispielsweise um ein neues Level zu erreichen oder weitere Gegenstände zu kaufen.

Warum sind Erziehung und Orientierung wichtig?

Das Smartphone bietet für Kinder und Jugendliche wunderbare Möglichkeiten. Oft können sie aber die Folgen ihres Handelns nicht abschätzen. Ein privates Foto wird unbedacht geteilt und ist allen zugänglich, die Aufforderung für das Spiel Geld auszugeben wird angenommen oder das Smartphone auch nachts nicht aus der Hand gelegt. Darum ist es ratsam, gemeinsam Regeln zu erstellen und die Folgen bei Nichteinhaltung zu besprechen. Geldausgeben bei Spielen ist beispielweise in Ordnung, wenn sich die Kinder vorher ein Limit setzen, an das sie sich halten. Eine ausgeschaltete Benachrichtigungsfunktion der App verhindert die ständige Erinnerung in das Spiel zurückzukehren. Außerdem sollte es feste Zeiten und Orte geben, in denen das Smartphone nicht genutzt wird. Nachts zum Beispiel oder beim Essen. Diese und andere Regeln hält ein gemeinsam mit Kindern entwickelter Mediennutzungsvertrag fest, zum Beispiel vom Internet-ABC.

Sind Kinder und Jugendliche unentwegt mit dem Smartphone beschäftigt, ist es wichtig nachzufragen, was sie damit gerade machen. Denn die Medien geben ihnen in diesem Moment etwas, das sie anderswo nicht erhalten, zum Beispiel Aufmerksamkeit, Zuwendung oder Ablenkung. So können wir angemessen auf ihre Bedürfnisse reagieren. Damit sie weniger und bewusster Zeit mit ihrem Smartphone verbringen, sollten sie damit etwas kreativ gestalten. Statt sich von Videos und Nachrichten berieseln zu lassen, lernen sie so E-Books und Fotoromane zu erstellen, Musik zu komponieren oder Programmieren. Wer einen eigenen Film gedreht und geschnitten hat, schaut sich danach Filme mit anderen Augen an. Sie können dabei hinter die Machart von Medien blicken, hinterfragen sie dann kritischer - und legen das Smartphone zuweilen auch zur Seite.

Thomas Feibel, Journalist mit dem Schwerpunkt Kinder und neue Medien, Leiter des Büros für Kindermedien in Berlin

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