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Initiativ- und Servivebüro Gutes Aufwachsen mit Medien

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Veröffentlicht am: 17.08.20

Let’s Plays: Spiele entdecken und medienpädagogisch reflektieren

Rätsel lösen, Schätze heben oder Andere besiegen: Kinder und Jugendliche spielen gerne und tauchen dabei in fantasievolle Welten ein. Das Angebot an (digitalen) Spielen ist groß und unglaublich vielfältig. Wie funktioniert das Spiel? Macht es Spaß? Wie löse ich eine knifflige Aufgabe im Spielverlauf meines Lieblingsspiels? Diese Fragen stellen sich viele und finden eine erste Orientierung in sogenannten Let’s Play-Videos (wörtlich übersetzt: „Lasst uns spielen“). Was Let’s Plays sind, worin die Faszination besteht und wie sie in der medienpädagogischen Praxis eingesetzt werden können, darüber sprachen wir mit Iren Schulz. Sie ist Medienpädagogin und Mediencoach für die Initiative „SCHAU HIN! Was dein Kind mit Medien macht“.

Die Faszination von Let’s Plays

Let’s Plays sind Videos, in denen Spieler*innen ein Computer- oder Konsolenspiel spielen und dabei den Bildschirm und oft auch sich selbst filmen, während sie das Geschehen im Spiel kommentieren. Auf Plattformen wie Youtube oder Twitch erklären sie ihren Zuschauer*innen unterhaltsam und anschaulich ihre Videos. „Kinder und Jugendliche können die Spiele anschauen, die sie begeistern und den Spielverlauf direkt verfolgen. Zudem geht es darum zu schauen, welche Tricks und Kniffe es gibt, um im Spiel weiter voranzukommen“, erläutert Iren Schulz. Ein besonderer Reiz geht auch von der scheinbaren Nahbarkeit der Videospieler*innen aus: Ihre Videos wirken persönlich, da sie darin ihre Erlebnisse unmittelbar mit den Zuschauer*innen teilen. So können diese mitfiebern und die Spielreaktionen der Let’s Player*innen direkt miterleben. Bei Kindern und Jugendlichen beliebte Spieler*innen haben online oft über eine Million Follower*innen auf verschiedenen Social Media-Kanälen und sind vielen Heranwachsenden bekannt wie Popstars. Durch die Kommentarfunktion auf YouTube können Fans direkt mit ihren Stars in Kontakt treten, sich mit ihnen austauschen und persönliche Wünsche äußern, auf die Let’s Player*innen auch eingehen. „So wird Heranwachsenden das Gefühl vermittelt, dass sie direkt am Spielgeschehen teilhaben können“, sagt Iren Schulz.

Ein guter Umgang mit Let’s Plays: Tipps für Eltern und pädagogische Fachkräfte

Ganz gleich, ob bei der Arbeit mit Kindern im Jugendclub oder zur Freizeitgestaltung zu Hause in Familien: Wichtig ist, dass Eltern und pädagogische Fachkräfte offen und interessiert sind für das, was Heranwachsende in und mit Games machen. Und sie sollten Kinder und Jugendliche als Ansprechpartner*innen begleiten. Iren Schulz empfiehlt gemeinsam Let’s Plays anzusehen und sich darüber auszutauschen. Gibt es einen Familienaccount bei YouTube ist es auch ratsam, erst einmal diesen zu nutzen, um sich gemeinsam Let’s Plays anzusehen.

Ebenso reizvoll für viele Kinder und Jugendliche ist es selbst ein Let’s Play-Video zu produzieren. „Das Positive daran ist, dass Heranwachsende selbst ausprobieren, kreativ sein und sich untereinander austauschen können“, findet Iren Schulz. Werden Kinder und Jugendliche von Konsumierenden zu Produzierenden, ist es genauso wichtig, sie dabei zu begleiten und ihnen aufzuzeigen, was sie in Bezug auf Datenschutz, Privatsphäre und anderen Herausforderungen, wie zum Beispiel versteckter Werbung und Kommerzialisierung, beachten sollten.

„Das fängt schon bei der Einrichtung eines eigenen YouTube-Kanals an“, berichtet Iren Schulz. „Zunächst ist hier zu bedenken, dass Nutzer*innen mindestens 16 Jahre alt sein müssen, um YouTube zu nutzen. Jugendliche unter 16 Jahren bräuchten streng genommen immer das Einverständnis ihrer Eltern, wenn sie YouTube nutzen. Das wissen viele nicht.“ Wird der Account eingerichtet, sollte darauf geachtet werden, möglichst wenig persönliche Daten anzugeben. Auch bei der Verwendung von Profilbildern und eingeblendeten Bildern in Videos sollte darüber nachgedacht werden, was gezeigt wird. Zudem rät Iren Schulz sich zu überlegen, die Kommentarfunktion erst einmal zu deaktivieren, da Kinder und Jugendliche auch mit Hassbotschaften und beleidigenden Kommentaren konfrontiert werden können. Wer Let’s Play-Videos veröffentlicht, sollte neben den eigenen Daten auch auf die Urheberrechte anderer achten. Denn meistens werden in den Videos urheberrechtlich geschützte Inhalte genutzt. Vor der Veröffentlichung eines Let’s Plays sollte daher die Zustimmung des Rechteinhabers, also des Spieleherstellers, eingeholt werden.

Let’s Plays in der medienpädagogischen Praxis

Das Thema Let’s Plays lässt sich auch gut in der medienpädagogischen Praxis, zum Beispiel in einem Workshop, aufgreifen. „Grundsätzlich ist es wichtig, dass der Workshop Kinder und Jugendliche in ihrer Lebensrealität abholt. Idealerweise knüpfe ich als pädagogische Fachkraft bei den Themen an, die Heranwachsende begeistern. Zudem geht es darum, dass Kinder und Jugendliche auch Spaß haben“, sagt Iren Schulz. Wie funktionieren Spiele? Was braucht man dafür? Wie sieht die Handlung aus? Dies sind grundlegende Fragen, die zunächst mit den Teilnehmenden des Workshops besprochen werden können. Für die Produktion eigener Let’s Play-Videos eignen sich Programme wie beispielsweise Scratch, mit denen Spiele programmiert und entwickelt werden können.

„Dann bietet es sich in Workshops auch an, über Aspekte wie Altersfreigaben, YouTube-Stars und Kommerzialisierung zu sprechen“, erklärt Iren Schulz. Es kann zum Beispiel gefragt werden, ab welchem Alter Kinder und Jugendliche ihr Spiel freigeben würden, welche Let’s Player*innen Heranwachsende besonders mögen und warum. Dabei kann auch darüber gesprochen werden, was es bedeutet ein*e bekannte*r Let’s Player*in zu sein und wie sich diese vermarkten. „Ich finde es hier sehr wichtig, dass Kinder und Jugendliche gut begleitet werden und lernen kritisch und reflektiert zu hinterfragen, sodass sie Situationen einordnen können. Das gilt vor allem auch für den Bereich Werbung, die oft undurchsichtig ist und nicht als solche erkannt wird“, erläutert Iren Schulz.

Am Ende eines Workshops ist es zudem immer ratsam, dass Kinder und Jugendliche die entstandenen Produkte präsentieren können und Raum für einen Austausch vorhanden ist. „Ein gutes Format dafür sind zum Beispiel kleine Wettbewerbe, bei denen es auch einen Preis zu gewinnen gibt“, sagt Iren Schulz.

 

Weitere Informationen

  • SCHAU HIN! gibt Eltern auf dieser Seite Tipps für den Umgang mit Let’s Plays.
  • Weitere Informationen rund um das Thema Urheberrechte und Let’s Plays gibt es bei iRights.info.
  • Das Projekt „Kultur trifft Digital“ der Stiftung Digitale Chancen bietet medienpraktische Workshops auch zum Thema Gaming an: Kinder und Jugendliche können zum Beispiel mit Knete und Kabeln ein Computerspiel steuern.

 

 

Bettina Goerdeler, Initiativbüro "Gutes Aufwachsen mit Medien"
Quelle: Iren Schulz, Medienpädagogin und Mediencoach bei "SCHAU HIN! Was dein Kind mit Medien macht"

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