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Initiativ- und Servivebüro Gutes Aufwachsen mit Medien

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Veröffentlicht am: 02.05.19

Urban Gaming: Wie die Stadt zum Spielfeld wird

Die ganze Stadt ein großer Spielplatz: beim Urban Gaming ist das möglich. Das Spiel findet hier nicht an Orten statt, die dafür vorgesehen sind, wie Spielplätzen oder ähnliches, sondern ist Teil des städtischen Alltags. Es eignet sich sowohl für junge, als auch für ältere Menschen. Im Zentrum des Spiels steht der Ort, den man erkunden möchte. Um die Stadt anders wahrzunehmen, braucht man aber nicht bei jedem Spiel digitale Medien. Wie genau Urban Gaming aussehen kann, erklärt Prof. Dr. Judith Ackermann, die an der FH Potsdam zu „Digitale und vernetzte Medien in der Sozialen Arbeit“ forscht.

Beim Urban Gaming verschmelzen digitale und analoge Räume. Was bedeutet das?

Mittlerweile verschmelzen digitale und analoge Räume immer mehr miteinander. Das liegt daran, dass wir alle Smartphones in unseren Taschen mitherumtragen und so permanent ein Abgleich stattfindet zwischen dem Ort, an dem ich mich mit meinem Körper befinde und dem digitalen Abbild des Ortes. Das ist zum Beispiel so, wenn ich ein Instagram-Bild poste und gleichzeitig angebe, an welchem Ort ich mich befinde. So entstehen sogenannte hybride Räume, also die Verschmelzung von Analogem mit Digitalem. Das bekannteste Beispiel aus der Praxis, das sichtbar macht, wie Urban Gaming funktioniert, ist Pokémon Go. Das Spiel hat gezeigt, dass sich durch die Nutzung des Smartphones auch die Bewegung im Raum verändert. Das Spiel gibt Orte vor, die dann auf dem Display des Smartphones angezeigt werden. So gelangt die spielende Person an Orte, an die sie sonst nicht gehen würde. In guter Erinnerung sind mir auch noch öffentliche Plätze, auf denen sich Menschen, die sich nicht kannten, stundenlang aufhielten, weil dort besonders viele Pokémons zu finden waren.

Haben Sie ein Beispiel für ein Urban Game?

Ein schönes Beispiel aus meinen Erfahrungen ist das Spiel „Die acht menschlichen Kreise“. Es geht darum, in einer Kleingruppe Plätze und Objekte in der Stadt einzunehmen. Dafür muss man eine Art Menschenkreis bilden. Diese Plätze und Objekte werden im Spielverlauf immer größer, sodass man gezwungen ist, auf Passantinnen und Passanten zuzugehen und diese zu bitten, sich an dem Menschenkreis zu beteiligen. Das Spannende daran ist, dass man so mit unbekannten Menschen ins Gespräch kommt. Was ich persönlich bei der Durchführung sehr interessant fand, war das Zusammenspiel von Spielenden und Passantinnen und Passanten. Es gab zum Beispiel Personen, die sich über einen längeren Zeitraum der Gruppe angeschlossen haben, um den Spielverlauf weiterzuverfolgen. Spielende haben zurückgemeldet, dass sie mit Personen ins Gespräch gekommen sind, die sie nicht angesprochen hätten, wenn die Spielhandlung dies nicht vorgegeben hätte. Ein paar Jugendliche, die sich beteiligt hatten, berichteten mir, dass es für sie ein ganz besonderes Erlebnis war, mit anderen Menschen Hände gebend diese Kreise gebildet zu haben.

Welche Erlebnisse können Kinder und Jugendliche beim Urban Gaming machen?

Für mich am wichtigsten ist das Gemeinschaftsmoment. Denn gerade, wenn Spiele entwickelt werden, geht es immer darum, was Gemeinschaftliches zu erleben und die Stadt anders wahrzunehmen. Spielende erhalten einen anderen Blick und hinterfragen deutlicher, warum eine Nutzungsart des Raumes eher gestattet ist als eine andere. In einem Spiel mit jungen Teilnehmenden haben wir zum Beispiel die bemalten Stromkästen der Stadt in das Spielleben integriert. Eine Teilnehmerin erzählte mir später, dass sie die Stromkästen in die Stadtführung für ihre Eltern einbezogen hat. Die Wahrnehmung der Stadt hatte sich also verändert. Bei der gemeinsamen Entwicklung von Spielen finde ich es zudem vor allem interessant, von jungen Menschen zu erfahren, welche Elemente ihnen wichtig sind an Orten. So entsteht die Möglichkeit, Menschen teilhaben zu lassen an ihren Lieblingsräumen und Aufenthaltsorten in der Stadt.

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