Mehr als nur zocken: Was Games mit Demokratie zu tun haben
Ein Kontrolleur, der auf Grundlage von Vorschriften darüber entscheidet, welche Menschen über die Grenzen gelassen werden und welche nicht.
Darum geht es im Single-Player-Spiel Papers, Please, bei dem die Spielenden in die Rolle eines Grenzbeamten schlüpfen, der in einem autoritären Staat lebt. Täglich wechselnde Dienstvorschriften stellen die Spielenden vor moralische und spielerische Herausforderungen. „Ein innerer Konflikt ist bei mir vor allem entstanden, als ich Personen gerne einreisen lassen wollte, aber zugleich wusste, dass ich dann mit erheblichen Strafen rechnen musste und meine eigene Familie nicht mehr versorgen kann, wenn ich den Richtlinien des Regimes nicht folge“, erläutert Max, der sich als Redakteur in der Jugendredaktion CTRL-Blog.de des Spieleratgebers NRW und der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW engagiert. Der 24-Jährige fügt hinzu: „Das immersive Setting des Spiels trägt dazu bei, sich in die Rolle hineinversetzen zu können und komplett ins Spiel einzutauchen.“
Demokratie durch Games wertschätzen
Das Game Papers, please bringt die Spielenden durch den Spielverlauf dazu, sich intensiv mit den Themen Migration, Gerechtigkeit und Menschenrechte auseinanderzusetzen. „Bei mir hat ein Reflexionsprozess eingesetzt, der mir vor Augen geführt hat, dass ich froh bin, in einem Land zu leben, in dem demokratische Werte und Prinzipien verankert sind. Ich bin unter anderem dankbar für die Reisefreiheit, die wir in der EU haben und die für mich auch selbstverständlich ist, weil ich so aufgewachsen bin“, sagt Max.
Spielerisch Demokratie erleben
Der 24-Jährige ist davon überzeugt, dass Spiele dazu beitragen können, junge Menschen für Demokratie zu sensibilisieren. „Gaming kann ein guter Einstieg sein, um sich mit Demokratie auseinanderzusetzen, auch wenn man das oft gar nicht direkt merkt. In vielen Spielen geht es darum, mit komplexen Situationen umzugehen und als Team gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Genau hier kommen demokratische Werte ins Spiel: Man lernt, zuzuhören, sich abzusprechen und Kompromisse zu machen, also genau das, was in einer demokratischen Gesellschaft wichtig ist.“
Auch der 24-Jährige Aras, der sich ebenfalls in der Jugendredaktion CTRL-Blog.de engagiert, ist der Ansicht, dass Games dazu beitragen können demokratische Werte zu erleben: „Im Strategiespiel Among us stehen das Zusammenspiel im Team, gute Kommunikation und Abstimmung im Fokus. Spielende bilden eine Crew in einem Raumschiff, in das sich Betrüger*innen geschlichen haben, die versuchen, die Arbeiten im Raumschiff zu sabotieren und Crewmitglieder zu töten. In Diskussionsrunden zwischen den einzelnen Aufgaben gilt es als Spielende herauszufinden, wer die Betrüger*innen sind.“ Er führt aus: „Im Spiel lernt man zu diskutieren, gute Argumente vorzutragen, um andere zu überzeugen sowie Konsensentscheidungen zu treffen. Spiele als Bildungstool funktionieren gerade bei der jungen Zielgruppe oft besser als theoretische Erklärungen, weil sie Teil der Jugendkultur sind und junge Menschen dadurch besser erreicht werden.“
Fair Play: respektvolles Miteinander im Spiel
Wie mit Fair Play in Games umgegangen wird, hängt stark vom Spiel und der Community ab. In manchen Games gibt es ein gutes Miteinander und Gemeinschaftsgefühl; Spielende motivieren sich und helfen sich gegenseitig. Anderseits können Spielende in Games auch mit Beleidigungen und Hass konfrontiert werden. Dann ist es wichtig zu wissen, wie man damit umgehen kann.
„Für mich bedeutet Fair Play im Gaming, respektvoll mit anderen umzugehen, unabhängig vom Skill-Level oder der Spielsituation. Wenn jemand neu ist oder Fehler macht, hilft es, ruhig zu bleiben oder Tipps zu geben, anstatt direkt mit ausgrenzendem oder beleidigendem Verhalten zu reagieren. Außerdem treffen im Gaming Leute mit ganz unterschiedlichen Hintergründen aufeinander. Wenn man da offen bleibt und respektvoll miteinander umgeht, fördert das Toleranz und ein besseres Verständnis füreinander“, schildert Max.
Spielen verbindet
Ob Kinder, Jugendliche oder Senior*innen: Gaming ermöglicht digitale Teilhabe. „Am Ende geht es dabei nicht nur ums Gewinnen, sondern auch um Spaß und das gemeinsame Erlebnis. Und das funktioniert eben nur, wenn man sich gegenseitig fair und mit Respekt begegnet“, betont Aras.
Weitere Informationen:
- Der Spieleratgeber NRW beurteilt Games nach pädagogischen Kriterien. Das Besondere: Kinder sind am Test der Spiele beteiligt. Eine gute Orientierung für Eltern und Fachkräfte zu aktuelle Spielen bietet die jährlich erscheinende Broschüre Digitale Spiele – pädagogisch beurteilt.
- Das Serious Game Ezra&Alex vom Landesverband Kinder- und Jugendfilm e. V., welches sich an Kinder im Alter von neun bis zwölf Jahren richtet, vermittelt auf spielerische Weise ERfahrungen mit demokratischen Prozessen. Das Besondere am Spiel: Die Inhalte wurden mit Jugendlichen aus dem ländlichen Raum entwickelt.
- Tipps für einen fairen Umgang beim Gaming gibt JUUUPORT, die bundesweite Online-Beratungsplattform für junge Menschen.