Ganztag und Schule

Aus der Praxis: Medienkompetenz im Ganztag fördern

Eine Person, die sich auf einem Tablet mit einer App beschäftigt. Das Tabelt steht auf einem Tisch, auf dem noch Blätter mit Zeichnungen und Text liegen.

Medienpädagogische Angebote im schulischen Ganztag bieten die Möglichkeit allen Kindern, unabhängig von sozialer und familiärer Herkunft grundlegende Voraussetzungen für digitale Teilhabe zu schaffen. Das zeigt auch das 2025 gestartete Projekt NetzKidz Ruhr – Wissen statt Wischen unseres Lokalen Netzwerkes MedienMonster aus Essen. Wie das Projekt aussieht und wie Schulen sich auf den Weg machen können, medienpädagogische Angebote im Ganztag umzusetzen, schildert Gisela Lux im Interview. Sie ist Projektmanagerin bei MedienMonster und u. a. für das Projekt NetzKidz Ruhr zuständig, das von der RAG-Stiftung finanziert wird. 

Medienkompetenz im Ganztag praktisch vermitteln

„Ziel unseres Projektes ist es, Kinder dabei zu unterstützen, Medienkompetenz zu entwickeln und verantwortungsbewusst, kreativ und kritisch-reflektiert mit digitalen Medien umzugehen“, sagt Gisela Lux. NetzKidz Ruhr setzt dafür auf Angebote am Nachmittag im offenen Ganztag an Grundschulen sowie auf Ferienworkshops. In einem Teil des Projekts beschäftigen sich Schüler*innen der 3. und 4. Klasse an Grundschulen mit Themen wie Bildrechten, Datensicherheit, Cybermobbing und sozialen Netzwerken. Der zweite Schwerpunkt liegt auf kreativen Medienhandeln. Die Kinder erstellen beispielsweise Erklärvideos zu im Projekt vorgegeben Themen: zum Schulalltag oder zum Steinkohlenbergbau. Oder sie entwickeln mit der App Bloxels eigene digitale Spiele – mit individuell gestalteten Spielfiguren, Hintergründen und Levels. Medienkompetenz bedeutet dabei zu lernen, Inhalte kritisch zu hinterfragen und diese einordnen zu können sowie sich kreativ mit Medien auszudrücken. 

Pädagogische Fachkräfte weiterbilden und Eltern erreichen

Neben der Stärkung digitaler Kompetenzen von Grundschüler*innen, möchte das Projekt auch pädagogische Fachkräfte an Schulen befähigen, medienpädagogische Angebote im Ganztag selbst umzusetzen. „In Fortbildungen vermitteln wir dazu Wissen, zum Beispiel zu spezifischen Themen wie Datensicherheit oder Cybermobbing. Zudem bieten wir Materialien an, die Fachkräfte an Schulen nutzen können. Zugleich können uns Fachkräfte in unserem Ganztagsangebot begleiten und uns über die Schulter schauen, damit sie einen Einblick erhalten, wie sie medienpädagogische Angebote ggf. selbst umsetzen können“, schildert Gisela Lux.

Über Elternabende versucht das Projekt darüber hinaus mit Eltern in den Austausch zu Fragen der Medienerziehung zu kommen und Wissen zu digitalen Themen der Lebenswelt von Kindern zu vermitteln. Für Gisela Lux ist dabei klar: „Wir alle, Schule, Eltern sowie politische Entscheidungsträger*innen sind dafür verantwortlich, unsere Kinder so zu begleiten und fit zu machen, dass sie an unserer digitalisierten Gesellschaft teilhaben können.“

Gute Rahmenbedingungen sind entscheidend

Damit medienpädagogische Ganztagsangebote wie NetzKidz Ruhr gelingen können, müssen personelle, finanzielle und organisatorische Fragen im Vorfeld geklärt werden. Eine verbindliche Ansprechperson vor Ort in den Schulen ist wichtig, um mit ihr die Organisation zu Raum, Ausstattung, etc. zu klären. „Bei uns verlief die Zusammenarbeit mit den Ansprechpersonen in den Schulen bisher nahezu reibungslos. Schwierig ist es allerdings zum Teil, Räume für unser Angebot während der Ferienzeit zu bekommen. Herausfordernd ist auch die unterschiedliche technische Ausstattung der Schulen. Daher bringen wir immer Tablets mit, damit jedes Kind das Angebot nutzen kann“, erläutert Gisela Lux. Auch bei der Begleitung der Kinder kann Unterstützung durch eine pädagogische Fachkraft der Schule hilfreich sein. Die Voraussetzungen in den Gruppen sind häufig sehr unterschiedlich – etwa mit Blick auf Aufmerksamkeitsspanne, Vorerfahrungen oder Sprachbarrieren. 

Auf die Plätze fertig los: Medienpädagogische Angebote im Ganztag etablieren

Macht sich eine Schule auf den Weg, medienpädagogische Angebote im Ganztag umzusetzen, empfiehlt Gisela Lux in kleinen Schritten vorzugehen und ggf. Berührungsängste abzubauen, um alle mitzunehmen. Eine wünschenswerte Grundlage bildet dabei ein schulisches Medienkonzept. „Zunächst ist es wichtig, ein Medienkonzept mit Ist-Stand, Zielformulierungen und Soll-Stand zu erarbeiten. Dieses bildet die Basis, um Medienbildung systematisch in Schule und somit auch im Ganztag zu integrieren.“

Die Entwicklung eines solchen Konzeptes ist komplex, braucht Zeit und erfordert Abstimmung. „Hier ist es wesentlich, alle einzubeziehen, die Schulleitung, die pädagogischen Fachkräfte, die Schüler*innen, die Eltern, Kommunen und ggf. auch externe Partner*innen. Gelingt dies, kann ein Medienkonzept dazu beitragen, dass gemeinsame Standards sowie Verbindlichkeit und Kontinuität entstehen.“ Kooperieren Schulen mit externen Partner*innen, rät Gisela Lux dazu, Kooperationsvereinbarungen aufzusetzen, in denen konkret festgelegt ist, wer welche Aufgaben übernimmt, wer welche Bedarfe abdecken und wer welche Leistungen erbringen kann. 

Take-aways 

  • Klein anfangen: Mit ersten überschaubaren medienpädagogischen Angeboten starten, Erfahrungen sammeln und darauf aufbauen. Hierbei kann auf diverse erprobte Konzepte mit Unterrichtsmaterialien zurückgegriffen werden.
  • Medienbildung gemeinsam planen: Ein Medienkonzept mit einer Bestandsaufnahme, konkreten Zielen und einer Perspektive für die weitere Entwicklung schafft ein gemeinsames Verständnis und sorgt für Verbindlichkeit und Kontinuität.
  • Verantwortlichkeiten klären: Eine verbindliche Ansprechperson in der Schule erleichtert die Abstimmung zu Räumen, Ausstattung und organisatorischen Fragen.
  • Pädagogische Fachkräfte einbeziehen: Fortbildungen und Materialien anbieten und Fachkräften ermöglichen, medienpädagogische Angebote zu begleiten und eigene Erfahrungen in der Umsetzung zu sammeln.
  • Unterschiedliche Voraussetzungen berücksichtigen: Unterschiedliche Medienerfahrungen, Aufmerksamkeitsspannen und sprachliche Voraussetzungen der Kinder berücksichtigen und Angebote entsprechend flexibel gestalten.
  • Technische Ausstattung mitdenken: Frühzeitig klären, welche WLAN-Zugänge und Geräte wie Tablets benötigt werden und wie fehlende Ausstattung bereitgestellt werden kann.
  • Eltern mitnehmen: Elternabende und Austauschmöglichkeiten können dabei helfen, Fragen zur Medienerziehung aufzugreifen und Eltern für digitale Themen aus der Lebenswelt ihrer Kinder zu sensibilisieren.
  • Externe Partner*innen klar einbinden: Bei Kooperationen sollten Zuständigkeiten, Aufgaben und Leistungen in einer Vereinbarung verbindlich festgehalten werden.
  • Medienkompetenz ganzheitlich verstehen: Kinder sollten nicht nur lernen, digitale Medien zu bedienen, sondern sie sicher, kritisch, verantwortungsbewusst und kreativ nutzen.

Mehr Informationen:

  • Beispiele zur kreativen Medienarbeit aus dem Projekt NetzKidz Ruhr finden sich auf der Website der MedienMonster.
  • Wie ein Medienkonzept konkret aussehen kann, erläutert Jacqueline Hain im Interview.
  • Welche Chancen der Ganztag für Medienbildung bietet, erfahrt ihr in unserem Einführungsartikel.