Extremismus im Netz erkennen und pädagogisch begegnen

Ein ästhetisch ansprechendes Video auf Instagram, ein kurzer, trendiger Clip auf TikTok oder ein modern produziertes Musikvideo auf YouTube: Was zunächst unterhaltsam und scheinbar harmlos wirkt, lässt sich bei genauerer Betrachtung ganz anders einordnen. Extremistische Akteur*innen nutzen gezielt Soziale Medien, um menschenverachtende und demokratiefeindliche Ideologien zu verbreiten.
Gerade junge Menschen, die Soziale Medien intensiv nutzen, können so wiederholt mit entsprechenden Inhalten in Kontakt kommen, ohne diese sofort als extremistisch zu erkennen. Dies führt dazu, dass extremistische Positionen schrittweise normalisiert werden, und kann zudem die Einschätzung junger Menschen von gesellschaftlichen Themen und politischen Zusammenhängen beeinflussen. Wenn extremistische Inhalte die Meinungsbildung prägen und so das Vertrauen in demokratische Institutionen schwächen, stellt dies eine konkrete Gefahr für die Demokratie dar. Umso wichtiger ist es, das Bewusstsein für demokratische und pluralistische Werte zu stärken und insbesondere junge Menschen dabei zu unterstützen, eine demokratische Haltung zu entwickeln.
Extremismus - was heißt das überhaupt?
Der Begriff Extremismus stammt vom lateinischen Wort „extremus“ (= „äußerst“, „entferntest“ und auch „ärgste“, „schlimmste“) ab. Er beschreibt Bestrebungen, welche die freiheitliche-demokratische Grundordnung mit ihren Prinzipien der Volkssouveränität, Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit, Menschenwürde und Pluralismus im Kern ablehnen. Zudem ist Extremismus gekennzeichnet durch Freund-Feind-Stereotype und eine kompromisslose und dogmatische Weltsicht, die Meinungsvielfalt nicht berücksichtigt.
Es gibt unterschiedliche Phänomenbereiche, in denen sich Extremismus vor allem zeigt, darunter Rechtsextremismus, Linksextremismus und religiös begründeter Extremismus, der in verschiedenen Glaubensrichtungen auftaucht – so zum Beispiel im Islam und in anderen Religionen. Für die Erscheinungsformen gibt es keine einheitliche Definition, zentrale Merkmale sind folgende:
Rechtsextremismus
Grundsätzlich umfasst der Begriff politische Einstellungs- und Verhaltensmuster, die sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung richten, die Gleichwertigkeit aller Menschen ablehnen und ein autoritäres, totalitäres System befürworten, in dem nationalistisches und rassistisches Gedankengut die Grundlage der Gesellschaftsordnung bilden sollen. Das Weltbild von Rechtsextremist*innen ist insbesondere geprägt durch Nationalismus, Ethnozentrismus, antipluralistische Einstellungen sowie Verharmlosung und auch Verherrlichung des Nationalsozialismus. Kernelement rechtsextremer Einstellungen ist die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, die sich insbesondere in Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus und Homophobie ausdrückt (vgl. https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/500806/rechtsextremismus/ und https://www.demokratie-bw.de/rechtsextremismus).
Linksextremismus
Linksextremist*innen lehnen die freiheitlich-demokratische Ordnung ab und zielen in der Regel auf die absolute soziale Gleichheit, die sie über die individuelle Freiheit stellen. Ziel ist es, die kapitalistische Wirtschaftsordnung abzuschaffen und eine sozialistische Weltordnung aufzubauen, um ein klassenloses, kommunistisches System zu errichten. In einigen Gruppierungen wird Gewalt als legitimes Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele betrachtet Die bekannteste Gruppe der gewaltorientierten linksextremistischen Szene bilden die Autonomen. (vgl. https://www.demokratie-bw.de/linksextremismus).
Religiös begründeter Extremismus
Beispiel: islamistischer Extremismus
Grundsätzlich bezeichnet der Begriff politische Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islam die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben. Ziel ist eine institutionelle Verankerung des Islam und die Aufhebung der Trennung von Staat und Religion. Damit verbunden ist die Ablehnung zentraler Elemente einer vielfältigen Gesellschaft und der Grundsätze der freiheitlich-demokratischen Grundordnung wie Individualität, Menschenrechte, Gewaltenteilung und Volkssouveränität. Allerdings ist zu beachten, dass nicht grundsätzlich alle islamistischen Akteur*innen gewaltorientiert oder zu terroristischen Handlungen bereit sind, um ihre Ziele durchzusetzen (vgl. https://www.bpb.de/themen/islamismus/dossier-islamismus/36339/islamismus-was-ist-das-ueberhaupt/).
Junge Menschen als Zielgruppe von Extremist*innen
Extremist*innen versuchen junge Menschen insbesondere dort zu erreichen, wo sie unterwegs sind: In Sozialen Medien wie TikTok, Instagram und Snapchat, Messenger-Diensten wie Telegram oder auch auf Spieleplattformen wie Discord.
Extremistische Akteur*innen greifen aktuelle Trends auf, arbeiten mit eingängigen Sounds, Memes, Emojis, Hashtags sowie humoristischen Elementen und bedienen sich der Jugendsprache. Botschaften werden so verpackt, dass sie zunächst unverdächtig erscheinen und die dahinterliegenden, häufig menschenfeindlichen Weltbilder dadurch nicht sofort erkennbar sind. Zudem bieten Extremist*innen einfache Antworten auf komplexe Fragen. Dies kann insbesondere in der Umbruchphase der Adoleszenz auf Jugendliche anziehend wirken, da sie in diesem Alter auf der Suche nach dem eigenen Ich sind, ihre soziale und politische Identität entwickeln sowie ihre sexuelle Orientierung ausbilden.
Was pädagogische Fachkräfte tun können
Pädagogische Fachkräfte übernehmen eine wichtige Rolle bei der Begleitung von Kindern und Jugendlichen: Sie können Orientierung geben, Reflexionsprozesse anstoßen und junge Menschen dabei unterstützen, digitale Inhalte kritisch zu hinterfragen.
Um Kinder und Jugendliche so zu unterstützen, dass sie zu kritisch-reflektierten sowie selbstbestimmten Persönlichkeiten heranwachsen können, ist es als pädagogische Fachkraft zentral, digitale Medien als festen Bestandteil kindlicher und jugendlicher Lebenswelten anzuerkennen. Konkret bedeutet das: Mit Neugier, Offenheit und ehrlichem Interesse auf das Medienhandeln Heranwachsender zu schauen und zu wissen, was sie beschäftigt, was sie spannend finden und warum. Dazu zählt auch, Raum für einen offenen, kritisch-reflexiven Austausch zu schaffen, damit Kinder und Jugendliche ihre Perspektiven einbringen können.
Um Kinder und Jugendliche für Extremismus in Sozialen Medien zu sensibilisieren, ist es zudem wichtig, mit ihnen über die Strategien und Kommunikation von Extremist*innen sowie die Funktionsweise von Algorithmen zu sprechen, damit sie lernen, demokratiefeindliche und problematische Inhalte zu erkennen und einzuordnen.
Mehr Informationen:
- Entwicklungsbeeinträchtigende und jugendgefährdende Inhalte können bei jugendschutz.net und der Kommission für Jugendmedienschutz gemeldet werden.
- Auf unserer Website findet ihr eine Sammlung an Methoden, Material und Projekten für die pädagogische Arbeit mit demokratiegefährdenden Herausforderungen wie Extremismus, Hass und Desinformation im Netz.
- Das Projekt AntiAnti von mediale pfade unterstützt pädagogische Fachkräfte mit Fortbildungsangeboten für Präventionsarbeit in Bezug auf die Themen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Islamismus.
Quellen
Bundeszentrale für politische Bildung: Rechtsextremismus im Internet. Online abrufbar unter: https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/180744/rechtsextremismus-im-internet/.
Bundeszentrale für politische Bildung: Linksextremismus. Online abrufbar unter: https://www.bpb.de/themen/linksextremismus/dossier-linksextremismus/..
Bundeszentrale für politische Bildung: Rechtsextremismus. Online abrufbar unter: www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/500806/rechtsextremismus/
Fischer, Leo; Baumgartner, Katharina; Tretow, Niklas; Ode, Ruby und Laura Große (2024): Das TikTok Universum der (extremen) Rechten. Trends, Strategien und Ästhetik in der Social-Media-Kommunikation. Online abrufbar unter: https://www.bs-anne-frank.de/mediathek/publikationen/das-tiktok-universum-der-extremen-rechten.
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Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: Rechtsextremismus. Online abrufbar unter: https://www.demokratie-bw.de/rechtsextremismus.
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