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Initiativ- und Servivebüro Gutes Aufwachsen mit Medien

Animation: Ladebalken
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Veröffentlicht am: 14.02.20

Mit Zauberkräften, Heldenmut und Cleverness: Medienheld*innen in der Lebenswelt von Kindern

Bedeutung von Medienfiguren: Orientierung und Identifikation

Ob die Prinzessin Lillifee-Brotbox, die Biene Maja-Trinkflasche oder das Superman T-Shirt: Die Medienheld*innen von Kindern sind überall sichtbar und begleiten Kinder durch ihren Alltag. Kinder orientieren sich an ihren Vorbildern aus Geschichten, Hörspielen, Film- und Fernsehsendungen, Apps sowie Computerspielen und identifizieren sich mit ihren Lieblingsfiguren. Dabei gibt es eine große Auswahl und Vielfalt an Charakteren, die unterschiedliche Eigenschaften besitzen. Oft sind Medienfiguren bei Kindern beliebt, die mutig, schlau, stark, hilfsbereit, aber auch chaotisch und liebenswürdig sind. Bei der Auswahl an Vorbildern suchen Kinder nach Modellen, in denen sie sich wiederkennen und die bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten besitzen, die Parallelen zur eigenen Lebenswelt von Kindern aufweisen.

Medienheld*innen transportieren nicht nur spannende und unterhaltsame Geschichten, sondern bieten Kindern Orientierung in Bezug auf das soziale Miteinander und die Beziehung zu Gleichaltrigen. Orientierung bieten Medienheld*innen vor allem dann, wenn sie mit klaren, einfachen und eindeutigen Charaktereigenschaften ausgestattet sind. Nehmen wir zum Beispiel eine Figur, die Zauberkräfte hat und mit dieser Eigenschaft stets anderen Figuren in einer Geschichte hilft. Sie lässt sich eindeutig der Kategorie „Gut“ zuordnen. Durch eine klare Zuordnung können Kinder Eigenschaften und Verhaltensweisen erfassen und als Anregung für das eigene Verhalten nutzen. Kinder möchten beispielsweise genauso stark sein oder genauso aussehen wie ihre Medienhelden.

Zugleich helfen die in Geschichten unterschiedlich dargestellten Charaktere Kindern dabei, eigene Wertvorstellungen zu entwickeln. Zudem können Medienheld*innen als Unterstützungshilfe bei der eigenen Entwicklung gesehen werden. Mithilfe medialer Figuren können zum Beispiel kommunikative Fähigkeiten, Persönlichkeitsmerkmale und das Ich-Bewusstsein erweitert werden sowie eine stabile Beziehung zu Gleichaltrigen aufgebaut werden.

Kinder nutzen Medienfiguren, um Gefühle auszudrücken, zu verarbeiten und zu verstehen. Dabei gibt es unterschiedliche Ausdrucksformen, zum Beispiel wird das mediale Vorbild in einem Rollenspiel nachgespielt und manchmal auch weiterentwickelt, in dem es auf Papier gemalt oder die Figur gepuzzelt wird. Häufig werden auch die eigenen Bedürfnisse und Emotionen auf die Medienfigur übertragen. Fühlt sich ein Kind zum Beispiel fröhlich, kann dieses Gefühl auf eine Medienfigur gespiegelt werden. Gleichzeitig übertragen Kinder Wünsche und Träume auf ihre Lieblingsfiguren.

Über Geschlechterrollen sprechen

Die Vielfalt an Medienheld*innen ist groß. Doch bei der Darstellung der Figuren wird zum Teil noch auf geschlechtsstereotype Vorstellungen von „typisch weiblich“ und „typisch männlich“ zurückgegriffen. Als „typisch männlich“ gelten starke und mutige Helden, als „typisch weiblich“ gelten fröhliche und hilfsbereite Heldinnen. Auch die Inhalte von Geschichten mit Medienheld*innen sind teilweise geschlechtsstereotyp aufbereitet: weibliche Figuren werden eher mit den Themen Freundschaft, Pferde, Musik und Magie verknüpft, Inhalte, in denen Stärke, Action und Rivalität im Vordergrund stehen richten sich eher an eine männliche Zielgruppe.

Eine stereotype Darstellung von Rollen- und Geschlechterbildern kann dazu führen, dass Kinder zum Teil geschlechtsstereotype Vorstellungen übernehmen, ohne diese zu erkennen und kritisch zu hinterfragen. Für Kinder ist eine reflektierte Auseinandersetzung mit den in Geschichten vermittelten Rollen- und Geschlechterbildern aber wichtig, damit sie diese einordnen und bewerten können. Eltern und pädagogische Fachkräfte können sie dabei begleiten, indem sie mit Kindern und Jugendlichen offen über Rollenbilder und -verhalten sprechen und aufzeigen, wie vielseitig Charaktere sein können.

Tipps für Eltern und pädagogische Fachkräfte

Eltern und pädagogische Fachkräfte können Kinder dabei unterstützen, Raum für die Verarbeitung von Medienerlebnissen zu schaffen. Dafür ist es zunächst wichtig, sich mit den Interessen und Vorlieben des Kindes auseinanderzusetzen und auch zu akzeptieren, wenn die mediale Lieblingsfigur des Kindes nicht den eigenen Vorstellungen entspricht. Zu einer guten Medienbegleitung gehört es dazu, Gesprächsanlässe zu schaffen und gemeinsam mit Kindern über ihre Medienheld*innen zu sprechen sowie die Erlebnisse und Medieninhalte gemeinsam zu verarbeiten und einzuordnen. Eine Möglichkeit stellt zum Beispiel die Erstellung von Zeichnungen oder Bildern sowie Collagen dar. Zusammen mit den Kindern tragen Sie die Eigenschaften zusammen, die die Kinder an ihren Held*innen schätzen. Zugleich kann mit den Kindern besprochen werden, wie realistisch die Eigenschaften der Figuren sind. Oft hilft es auch, Eigenschaften mit Dingen aus ihrem Alltag zu vergleichen, damit diese eingeordnet werden können. Ist eine Figur zum Beispiel unrealistisch groß kann der Vergleich mit einem großen Gegenstand, wie einem Hochhaus nützlich sein. Auch Rollenspiele eigenen sich gut, damit Kinder mediale Erlebnisse verarbeiten und sich über ihre medialen Vorbilder austauschen können. Dabei sind Fantasie und Kreativität keine Grenzen gesetzt.

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Bettina Goerdeler, Initiativbüro Gutes Aufwachsen mit Medien

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