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Initiativ- und Servivebüro Gutes Aufwachsen mit Medien

Animation: Ladebalken
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Veröffentlicht am: 29.03.21

Prävention durch eigene Medienproduktionen - Das Projekt RISE stärkt Jugendliche gegen extremistische Ansprachen

Wie können wir Heranwachsende für extremistische Ansprachen im Netz sensibilisieren? RISE ist ein medienpädagogisches Modellprojekt zur universellen Extremismusprävention und unterstützt Jugendliche dabei, sich kritisch und reflektiert mit extremistischen Botschaften im Netz auseinanderzusetzen. Ziel ist es, Jugendliche durch die Förderung von Medienkompetenz und Diskussionskultur gegen extremistische Ansprachen im Netz zu stärken.

Über das Projekt sprachen wir mit Fabian Wörz, der als medienpädagogischer Referent für das JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis tätig ist und das Projekt RISE leitet.

Welchen Ansatz verfolgt RISE?

Das Projekt richtet sich direkt an Jugendliche, um sie bei der Produktion eigener Medien, insbesondere Kurzfilme, zu unterstützen. Die Medienproduktionen entstehen zu fünf Themenbereichen: Gender, Pluralismus, Rassismus, Gesellschaftskritik sowie Werte und Religion. Diese Themen sind einerseits relevant für die Lebenswelt vieler Jugendlicher, andererseits werden sie häufig von extremistischen Akteuren genutzt, um ihre Weltsicht zu verbreiten.

Gleichzeitig bieten wir pädagogischen Fachkräften eine Plattform, auf der sie Arbeitshilfen und strukturierte Lernmaterialien für Jugendliche finden. Das Besondere dabei: Im Fokus stehen die im Projekt entstandenen Medienproduktionen der Jugendlichen. Die Perspektive der jungen Filmschaffenden ist auch Ausgangspunkt für die Entwicklung des Materials.

Wie unterstützt die aktive Medienarbeit dabei, eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Extremismus“ zu beginnen?

Die Jugendlichen setzen sich bei der Medienarbeit intensiv mit den zuvor genannten Themen auseinander und entwickeln dazu eigene Positionen. Die Ergebnisse zeigen die Ideen der Jugendlichen, so dass authentische Medienprodukte entstehen, die besonders spannend, aber auch herausfordernd für die pädagogische Arbeit sein können.

Wichtig ist uns sowohl bei der Begleitung der Medienproduktionen als auch bei der Entwicklung der zugehörigen Methodenpakete, dass Räume geschaffen werden, in denen zu diesen Themen offen diskutiert werden kann. Es geht darum, die Sichtweisen von Jugendlichen ernst zu nehmen und ihnen eine Stimme zu geben - auch wenn es um gesellschaftlich relevante und strittige Themen geht. Wir wollen Diskursräume für Jugendliche zu Themen schaffen, die sonst von extremistischen Akteuren besetzt werden.

Wie kann man pädagogische Fachkräfte und Jugendliche für das Thema Extremismus sensibilisieren, ohne selbst enge Denkmuster vorzugeben und Stereotype zu produzieren?

RISE ist ein Projekt der universellen Präventionsarbeit. Das bedeutet, dass sich das Projekt zunächst an alle Jugendlichen bzw. Fachkräfte, die mit ihnen arbeiten, richtet. Anders als Projekte der Sekundär- oder Tertiärprävention versuchen wir also nicht, gezielt mit Menschen zu arbeiten, die dabei sind, sich zu radikalisieren oder sich bereits radikalisiert haben. Deshalb sind auch die Themen des Projektes so gewählt, dass sie relevant für die Lebenswelt von sehr vielen Jugendlichen sind. Dadurch wird auch einer Stigmatisierung von Gruppen entgegengewirkt, die in der Präventionsarbeit zu Recht Kritik hervorruft, wenn bestimmte Zielgruppen identifiziert werden.

Wir gehen davon aus, dass Extremismus die Spitze des Eisbergs ist und extremistische Einstellungen auch in der Mitte der Gesellschaft weit verbreitet sind. Sie äußern sich zum Beispiel in der Abwertung von anderslebenden oder -denkenden Menschen und absoluten Wahrheitsansprüchen. Damit sehen wir Extremismusprävention auch als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Ein anderer Aspekt ist die mögliche Reproduktion von engen Denkmustern oder Stereotypen in den Medienproduktionen der Jugendlichen. Verständlicherweise greifen Jugendliche auch Muster und Bilder auf, die sie selbst aus medialen Darstellungen und Alltagserfahrungen kennen. Für den Einsatz in der pädagogischen Arbeit bietet das zugehörige Material entsprechende Übungen und Diskussionsanreize zur Reflexion und dem Aufbrechen von Stereotypen.

 

Mehr Informationen:

  • RISE hat auch einen Podcast! Er richtet sich an pädagogische Fachkräfte und bietet Impulse für den Umgang mit unterschiedliche Wertvorstellungen und Orientierungen. In der ersten Folge geht es um eine kritische Auseinandersetzung mit „Extremismusprävention".
  • Wie Rechtsextreme versuchen, über Video - und Computerspiele an Lebenswelten von Heranwachsenden anzuknüpfen und ihre Ideologien zu verbreiten, zeigt der Report „Rechtsextremismus und Gaming“ von jugendschutz.net.
  • Zum Thema Extremismus können sich Jugendliche auch auf der Plattform jugend.support informieren, die Informationen, Tipps und Beratungsangebote bereitstellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bettina Goerdeler, Initiativbüro
Quelle: Fabian Wörz, medienpädagogischer Referent beim JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

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